Erinnerung & jüdische Geschichte

Reconnect Unsleben – eine Spurensuche

Im Jahr 2026 möchten wir in Unsleben etwas Besonderes auf den Weg bringen:
Mit dem Projekt „Reconnect Unsleben – Spurensuche“ wollen wir gemeinsam die jüdische Geschichte unseres Dorfes neu entdecken und mit Leben füllen – offen, herzlich und für alle verständlich.

Über viele Generationen hinweg lebten jüdische Familien mitten in Unsleben. Vieles davon ist heute kaum mehr bekannt, obwohl Spuren und Erinnerungen überall im Dorf zu finden sind. Genau hier möchten wir ansetzen: Wir möchten erzählen, erklären, zuhören – und Unslebens Geschichte wieder als Teil unserer eigenen Gegenwart begreifen.

Was erwartet Sie?

Info-Reihe (Februar–Mai 2026):
Kostenlose Veranstaltungen, in denen wir Unslebens jüdische Geschichte, frühere Familien und ihre Lebenswege vorstellen. Ein gemeinsamer Besuch des jüdischen Friedhofs gehört ebenfalls dazu. Unser Mitglied Matthias Poppe beschäftigt sich intensiv mit dem Friedhof und bereitet weitere Untersuchungen vor (Mehr dazu weiter unten).

Auch die Erschließung des Schloss-Archivs ist eine Herausforderung, die noch bewältigt werden muss.

Ortsrundgang und kleine Ausstellung:
Wir zeigen, wo jüdisches Leben im Dorf sichtbar war – und welche Spuren sich bis heute finden.

Christlich, jüdisch – eine Leidenschaft. Fussballmanschaft Unsleben, 1922 (koloriert)

Beiträge von Nachfahren früherer Unslebener Familien:
Viele frühere Unslebener leben heute weit entfernt. Einige möchten Fotos, Dokumente oder kurze Videobotschaften mit uns teilen. Diese fließen – ganz unkompliziert – in das Projekt ein.

Programm am 27. und 28. Mai 2026:
An diesen beiden Tagen möchten wir die Ergebnisse vorstellen und Raum für Begegnungen schaffen.
Eingeladen sind nicht nur alle aus Unsleben, sondern ausdrücklich auch jüdische ehemalige Bürger Unslebens und ihre Familien aus dem Ausland – ganz gleich, ob sie persönlich oder virtuell teilnehmen.

20.6.2024 Von links: Rabbi Avrasin (Würzburg), Angela Bungert, Genealogin Ute Brandenburg, Gräfin Viktoria Waldburg Wolfegg, Doris Goehtz, Roswitha Zschenker, Matthias Poppe, Dr. Astrid Hedrich-Scherpf (Leitung Kulturagentur Landkreis Rhön-Grabfeld), Hans Böhm (Landtagspräsident des Bayerisches Landtages a.D.), Elke Böhm, Michelle Stein, David Vorchheimer, Paul Stein

Der jüdische Friedhof von Unsleben

Einen guten Kilometer außerhalb von Unsleben befindet sich ein Ort, den nur die wenigsten Auswärtigen kennen, der den Unslebern aber gut bekannt ist, obwohl er immer verschlossen ist.
Eingebettet in eine wunderbare Landschaft liegt der jüdische Friedhof von Unsleben auf einem sonnigen Südhang, von wo der Blick über Unsleben zur Rhön schweift. Es ist ein geradezu mystischer Ort,
geheimnisvoll, würdevoll. Über die niedrige Mauer erblickt man stattliche Grabmäler, aber auch viele kleine, bescheidene Grabsteine, sorgsam in Reihen angeordnet. Es sind stille Zeugen vergangener Leben.
Sie erinnern uns an Familien, die hier zu Hause waren, die Unsleben aber verloren hat.


Die Lebenswege dieser Familien sind leidvoll, aber in vielen Fällen haben glückliche Fügungen ein Weiterleben fern der Heimat ermöglicht. So ist dieser Friedhof nicht nur ein denkmalgeschütztes Zeugnis Unslebener Geschichte, er ist gleichzeitig für Menschen, die verstreut auf allen Kontinenten leben, der Ort, an dem sie sich wie nirgendwo sonst auf der Welt mit ihren Wurzeln verbunden fühlen.
Der Freundeskreis jüdisches Unsleben kümmert sich um dieses gemeinsame Erbe. Er unterstützt die Nachfahren aus aller Welt bei der Erforschung ihrer Familiengeschichte und führt sie durch das Dorf, zu
den Häusern, in denen ihre Vorfahren gelebt haben, zu ihrer ehemaligen Synagoge und natürlich zu den Gräbern ihrer Familie.
Wenn die Nachfahren der jüdischen Unslebener die Heimat ihrer Vorfahren aufsuchen, dann ist das ein sie zutiefst bewegendes Ereignis. Und sie sind ungeheuer dankbar, dass die Gräber ihrer Vorfahren erhalten wurden, dass der Friedhof gepflegt wird, und dass die Gemeinde ihre Mitbürger nicht vergessen hat, dass sie ihrer gedenkt.
Dieses Gedenken findet auch Ausdruck in Friedhofsführungen, die der Freundeskreis anbietet, und die in der Region auf beachtliches Interesse stoßen.

Grundlagenforschung: Vollständige Fotodokumentation der teils kaum lesbaren Grabsteine, Identifizierung durch Abgleich mit Ahnentafeln und Befragung von Nachkommen.

Zusätzlich: Erstellung von Materialien für die Besucher (Stammbäume, Reproduktionen von Urkunden)

(Matthias Poppe)

Reconnect- Unsleben-Spurensuche wird gefördert durch